DesignKlicks @ SPIEGEL ONLINE
3. August 2005, 21:43 Uhr, AllerleiUnter DesignKlicks finden wir ein wunderbares Beispiel für (typisch deutsche?) Charakterschwäche. Allerdings nicht gleich auf den ersten Blick, sondern nur wenn man sich die Mühe macht, zwischen den Zeilen zu lesen.
Worum geht’s? Bei DesignKlicks können eigene Bilder einstellt werden, um sie von anderen bewerten zu lassen. Doch das gibt es schon und ist nichts neues. Und um das zu vertuschen umgibt sich DesignKlicks mit mächtigen Worten wie »Wertekosmos« und »Ästhetik des 21. Jahrhunderts«. Muss das sein? Aber darauf kommt es mir jetzt gar nicht an.
Das Schöne bei DesignKlicks ist, dass die Implementierung einen kleinen Blick in die Datenbank zulässt. Nur kurz hinter die Flash-Oberfläche geschaut und schon findet der Interessierte eine dynamisch generierte XML-Datei mit den am höchsten bewerteten Bildern.
Bis Anfang August waren es noch ca. 500 Stück. Seit ein paar Tagen sind es nur noch 200.
Hier ein kleiner, anonymisierter und vereinfachter Ausschnitt aus dieser Datei:
<article>
<articleId>4242</articleId>
<articleDate></articleDate>
<articleTimestamp>4242424242</articleTimestamp>
<articleHeadline>HeartOfGold</articleHeadline>
<articleShortText></articleShortText>
<articleText></articleText>
<articleXY>-42.42,-42.42</articleXY>
<articleRanking>5.63</articleRanking>
<articleNotes4>29</articleNotes4>
<articleNotes5>5|1|1|3|3|4|3|4|3|2</articleNotes5>
<articleImage>dK_4242_4242_hog.jpg</articleImage>
<articleCreator>42</articleCreator>
<categoryId>4242</categoryId>
<userId>4242</userId>
<userName>Zaphod</userName>
<userSurname>Beeblebrox</userSurname>
<userWww>http://www.google.de</userWww>
</article>
Wichtig in diesem Auszug ist die folgende Zeile:
<articleNotes5>5|1|1|3|3|4|3|4|3|2</articleNotes5>
Hier erkennt man die abgegebenen Stimmen für ein Bild. An erster Stelle (in diesem Fall eine 5) die Anzahl der Wertung 1 (sehr, sehr schlecht). Danach die Anzahl der Wertung 2. Und so weiter. Bis zur Wertung 10, die in diesem Fall 2 mal gegeben wurde.
Summiert man nun alle Wertungen in dieser XML-Datei und stellt sie grafisch dar, ergibt sich folgendes Diagramm:

Überraschend: Die Anzahl der negativsten Bewertung ist viel, viel höher als man erwartet hätte. Aber auch die Anzahl der positivsten Bewertung ist auch ungewöhnlich hoch. Eigentlich würde man eine Gaußsche Glocke — in welcher genauen Form auch immer — sehen wollen: die meisten Wertungen irgendwo in der Mitte und nur wenige sehr gute und wenige sehr schlechte Bewertungen.
Warum ist es hier anders?
Wie schon anfangs angedeutet, vermute ich hier Charakterschwäche zu lesen. Jeder bewertet einfach seine eigenes Bild besser, als das des anderen. Daher die ungewöhnlich häufige gute Bewertung 10. Denn eigentlich sollte die 10 seltener als die 9 verteilt worden sein.
Auf der anderen Seite wertet man aber nicht nur das eigene Bild besser, sondern auch das Bild des anderen viel schlechter. Da es mehr fremde als eigene Bilder gibt, entsteht diese extreme Spitze bei der Wertung 1 im Diagramm oben.
Ich finde das unendlich peinlich… Wenn ich recht habe mit meiner Vermutung.


Dana