Illegaler Spamfilter bei MobileMe?
12. November 2008, 14:27 Uhr, Internet, Verbraucherschutz
Vor ein paar Wochen hab ich meine Mail auf MobileMe umgestellt. Man wird langsam älter und mag sich einfach nicht mehr um die Administration von Mailservern kümmern. So war die Weiterleitung aller meiner Mails an meinen MobileMe-Account ein erster Schritt in den administrativen Ruhestand.
Das war so Anfang Oktober. Am Wochenende zum 3. Oktober 2008 um genau zu sein. Da hat man ja Zeit für sowas.
Das erste Zeichen
Am vergangenen Mittwoch, 5. November, kam dann die große Überraschung. Auf dem internen XAMPP-Developer E-Mail-Verteiler kam eine Antwort auf eine vorangegangene Mail rein, die ich nicht erhalten hatte. Zunächst wundert ich mich und dachte noch: “Huch, die hab ich wohl versehentlich gelöscht”, aber als dann auch bei den gelöschten Mails diese Mail nicht zu finden war, wuchsen die Fragezeichen. Eine Nachfrage auf dem Verteiler fand dann heraus, dass auch einem anderen MobileMe-Nutzer die Mail ebenfalls nicht zugestellt wurde.
Zwei totale Mail-Legastheniker an einem Tag war unwahrscheinlich und die Angst vor weiteren verlorenen Mails war geweckt.
Das Testszenario
Schnell ein Backup-Mailkonto eingerichtet, das ebenso all die Mail erhält, die auch an MobileMe weitergeleitet werden.
Schnell ein Skriptchen geschrieben, das über IMAP auf diese beiden Mailkonten zugreift und inhaltlich (anhand der Mail-ID) vergleicht.
Fertig. Nun abwarten.
Das Ergebnis
Das Ergebnis (nach nun einer knappen Woche Beobachtungszeit) ist erschreckend: pro Stunde verschwinden im Schnitt 2 bis 3 Mails. Da es in der Regel Spam-Mails sind, gehe ich davon aus, dass es einen versteckten und nicht abschaltbaren Spamfilter bei MobileMe gibt.
Und gleich zur Klarstellung: Den offiziellen MobileMe-Spamfilter habe ich abgeschaltet. Auch ein externer Mailclient mit eigenem Spamfilter ist es nicht.
Was nun aber wirklich extrem stört und in der Natur von Spamfiltern liegt: In diesem Zeitraum wurden auch zwei wirklich gewünschte Mail (drei, wenn man die ursprüngliche XAMPP-Verteiler-Mail mitzählt) von diesem Spamfilter sang- und klanglos hops genommen. Richtige, gute Mails. Einfach futsch. Weg. (Nur dank meines Backupkontos habe ich von diesen Mails erfahren und sie letztendlich doch noch bekommen.)
Ich will gar nicht wissen, was da vorher noch alles verloren gegangen ist. Oder was alles verloren geht bei den Mails, die gar nicht über meinen Mail-Server sondern direkt an MobileMe gehen.
Die Frechheit
Die Frechheit wird aber noch größer: Mails an Apples Kundendienst gleich am Donnerstag, 6. November, und am gestrigen Dienstag, 11. November, blieben einfach unbeantwortet. Nicht mal ein blöder Automat, der einem inhaltsleer dankt.
Fazit 1
Ein Skandal, eine Frechheit und nach meinem Verständnis auch höchst illegal: Es ist ein von mir ungewollter Eingriff in meinen privaten Mailverkehr. Das gerade zum großen Teil Spam-Mails rausgefischt werden, zeigt meines Erachtens, dass es sich tatsächlich auch um einen absichtlichen Eingriff handelt. Es gehen ja nicht zufällig (zum Beispiel aufgrund einer technischen Panne) irgendwelche Mails verloren.
Fazit 2
Betreibe deinen Mailserver selbst. Wer sich auf andere verlässt, der ist verlassen.
Post Scriptum
Traurigerweise scheint der Spamfilter auch noch ausgesprochen simple zu sein. Ein paar kleine Tests ergaben, dass zum Beispiel alleine die Erwähnung bestimmter Phishing-URLs in einer E-Mail bereits zum Rausfiltern der Mail führt. Wow, was für eine algorithmische Spitzenleistung.
Weiter geht’s in Illegaler Spamfilter bei MobileMe? (Nachtrag).


Olli