Was haben sie uns gebracht, die Römer?
14. March 2009, 16:47 Uhr, Fotos und Bilder, Unterwegs
Letzte Woche waren wir fünf Tage in der Ewigen Stadt. Und dieser Titel ist durchaus berechtigt: Rom ist ein riesiges Museum. Die Gänge sind die Straßen und die Innenhöfe sind Plätze. Zu einem richtigen Museum gehören auch Besucher und die nennt man im Falle einer Stadt dann Touristen. Und von denen gibt es in Rom wirklich genug.
Um den großen Touristenauflauf zu umgehen, haben wir absichtlich die Hauptsaison gemieden: Alle Sehenswürdigkeiten waren ohne irgendwelche Schlangen oder sonstigen Menschenmassen abzubesichtigen. Trotzdem bleibt Rom — oder zumindest das Zentrum von Rom — hauptsächlich ein Ziel für den Tagestouristen und das sorgt leider schnell dafür, dass die Qualität der Restaurants in diesem Gebiet leidet. Wozu gutes Essen servieren, wenn der Gast eh niemals wiederkommen wird?
Aber ich schweife ab.
Fotos gibt es am Ende dieses Artikels, hier zunächst noch schnell meine üblichen ultimativ subjektiven Eindrücke, Hinweise und Tipps:
- Ein netter Running-Gag sind die Richtungsschilder für das Casa di Augusto auf dem Palatin-Gelände. Wenn alle Wege nach Rom führen, dann scheinen hier alle Wege zu diesem Haus führen zu wollen.
- Das kenne ich noch vom Urlaub mit meinen Eltern in Italien vor 100 Jahren: Vorsicht bei Bestellungen in Cafés! Immer vorher (versuchen) den kompletten Preis (zu) erfragen — das ist zwar lästig, aber sonst kann ein Stück Kuchen gerne mal 10 € und eine Kugel Eis 2 € kosten.
Ein Höhepunkt sind definitiv die Vatikanischen Museen. Neben den Ausstellungsstücken und den Gängen selbst (siehe Foto rechts) sind hier sehenswert: die ovalen Doppelhelix-Treppe im Eingangsbereich und direkt daneben ein cooler alter Fahrstuhl: groß wie ein Zimmer und komplett holzgetäfelt.
- Der Petersdom ist wahrscheinlich das Beeindruckendste was man im Rom finden kann. Fett. Fett. Fett. Und fett. Großes Kino am Rande: Die bebrillte Papststatue von Pius XII. auf der rechten Seite im Inneren der Kirche (vom Eingang aus gesehen). Eine Statue mit Brille hab ich noch nie gesehen und schon gar nicht in einer Kirche.
- Auch wenn man mich damit sicherlich für den widerwärtigsten Kulturmuffel der Welt halten wird: die Sixtinische Kapelle, sicherlich beeindruckend, fand ich aber doch eher kitschig.
- Grundsätzlich kann man sagen (was natürlich immer mit der Einschränkung — wir waren nur 5 Tage dort — zu verstehen ist) das das Essen im Stadtzentrum grottig und nur teuer ist. Wer also im Viereck Circo Massimo, Termini, Piazza del Popolo, Città del Vaticano etwas Essen geht, sollte extrem vorsichtig sein und kann sich auf einiges gefasst machen. Allerdings reichen fünf Tage auch um gleich zwei Ausnahmen nennen zu können: das ‘Gusto und das Cotto.
- Gute Idee für die Auf-die-Hand-Pizza: einfach die Pizza mit der Oberseite nach innen zusammen falten. Super bequem und keine Rumschmiergefahr. Warum ist in Deutschland noch keiner auf diese Idee gekommen oder hat sie zumindest kopiert? Hier kriegt man gerne die abenteuerlichsten Pappkonstruktionen um das Pizzaessen-zu-Fuß zu ermöglichen, aber alle mit mangelhafter Problemlösungsqualität.
- Wem die provisorisch restaurierten römischen Überreste und die kunsthistorisch folgenden debil guckenden Engelchen irgendwann zu viel werden, der findet in der Galleria Nazionale d’Arte Moderna eine kleine Oase moderner Kunst. Hier kann man auch a) gut den Touristenmassen entkommen und hat b) im angeschlossenen Caffè delle Arti eine prima Gelegenheit für ein gutes Essen.
Großartig finde ich die Kirchenbedarf- und Bekleidungsläden für Priester und Nonnen in der Via dei Cestari. Angeblich lässt sich hier auch der Papst ankleiden.
- Einen ganz besonderen Narren habe ich an den Abendmahl-Reisenessesaires (Foto) gefunden – eigentlich wollte ich so ein Teil noch mitnehmen, aber dann hat die Zeit doch nicht gereicht.
- Erholsamer Ausflug zur Villa Borghese und den umliegenden Park. Keine Touris, keine Vespas. Dort findet man dann auch die oben erwähnte Galleria Nazionale d’Arte Moderna.
- Was man auch gerne sieht: Baustellen ohne anwesende Bauarbeiter oder sind doch mal Bauarbeiter in der Nähe, dann machen die bestimmt gerade eine Pause. Es tut mir ja richtig Leid dieses blöde Cliché zu bestätigen, aber es war einfach so. Und wo ich grad beim Bashing bin: die Restaurationsarbeiten auf den anktiken Ausgrabungsstellen haben bestenfalls Heimwerker-Niveau. Es ist eine Schande, wie provisorisch und unangemessen hier restauriert wurde.
So, eigentlich könnte ich noch weiter schreiben, aber ich denke, dass es jetzt auch reicht. So spannend ist es auch wieder nicht. Weder zu schreiben und schon gar nicht zu lesen.
Noch ein Link zu Bilderchens und das war’s.

